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News & Trading

Deutsche Quartalszahlensaison im Endspurt

Die Berichtssaison in Deutschland befindet sich im Endspurt. Ein Großteil der DAX-Konzerne hat bereits über den Zeitraum April bis Juni 2015 berichtet und konnte mehr oder minder überzeugen. Der vergangene Donnerstag brachte dabei wieder einmal jede Menge Impulse für den Aktienmarkt, doch einige spannende Quartalszahlen folgen erst in der kommenden Woche.



Versorger weiter im Tal der Tränen?


Lange Zeit galten Versorger als sichere Bank für Langfristanleger. Doch die Energiewende und das Festhalten am etablierten Geschäftsmodell hat die großen Energiekonzerne E.ON und RWE aus der Ertragsspur geworfen. Hektische Anteilsverkäufe konnten bislang stets als Bilanzkosmetik herangezogen werden, doch ohne diese Sondereffekte dürften auch die neuesten Quartalszahlen wenig überzeugen. Zumal durch Umstrukturierungen neue Kosten auf die Aktionäre von RWE und E.ON zukommen. Bei RWE erwarten Analysten einen Umsatz von 10,5 Mrd. Euro und damit noch einmal weniger Erlöse als im Vorjahreszeitraum. Zudem werden rote Zahlen erwartet. Bei E.ON wiederum liegen die Prognosen bei einem Umsatz von 24,4 Mrd. Euro und damit leicht über dem sehr schwachen Vorjahreswert. Ergebnisseitig werden geringfügig schwarze Zahlen erwartet.

Update: E.ON will mit Dividende punkten

Deutschlands größter Versorger befindet sich mitten im gewaltigsten Umbau der Unternehmensgeschichte. Die Energiewende macht es aus Sicht von E.ON notwendig, dass das angeschlagene Geschäft mit den großen Kraftwerken (Kohle, Gas, Kernenergie und Wasser) zusammen mit dem Energiehandel und dem Gasfördergeschäft in das „alte E.ON“ unter dem Namen Uniper ausgegliedert wird. Die Notwendigkeit wird an den Halbjahreszahlen deutlich. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebitda) gab weiter nach und sank um 13 Prozent auf 4,3 Mrd. Euro, während der Umsatz um 5 Prozent auf 57,3 Mrd. Euro gesteigert werden konnte. E.ON-Chef Johannes Teyssen hält, auch mit Blick auf die sich im Zeitplan befindliche Aufspaltung, an der schwachen Prognose für 2015 fest. Besonders wichtig in Zeiten niedriger Zinsen: E.ON will seinem Ruf als Dividendenzahler treu bleiben und bekräftigte die versprochene feste Dividende von 50 Cent pro Aktie für 2015.

Update: RWE bleibt in der Krise


Zwar hat der zweitgrößte deutsche Versorger RWE am Montag einen umfassenden Konzernumbau angekündigt, allerdings ohne damit Begeisterung auszulösen. Diese kam auch angesichts der Halbjahreszahlen nicht auf. Während der Umsatz bei 25,1 Mrd. Euro stagnierte, hat sich das EBITDA erwartungsgemäß um 7 Prozent auf 3,2 Mrd. Euro verringert. Das betriebliche Ergebnis wiederum sank um 11 Prozent auf 2,0 Mrd. Euro. Wie auch E.ON leidet RWE unter den schwachen Margen bei der konventionellen Stromerzeugung. Der RWE-Umbau geht dennoch nicht so weit wie beim Konkurrenten aus Düsseldorf. Derweil hält das Unternehmen ebenso wie E.ON am zurückhaltenden Ausblick fest.



Henkel: Anhaltender Erfolg mit Waschmitteln & Co


Der Konsumgüter-Hersteller Henkel stand zuletzt aufgrund der fehlgeschlagenen Wella-Übernahme im Blick. Operativ sollte es jedoch auch ohne den Shampoo-Hersteller gut gelaufen sein, schließlich hatten die Düsseldorfer erst im Mai von Colgate-Palmolive zahlreiche Waschmittelmarken in Australien und Neuseeland übernommen. Nachdem im ersten Quartal 2015 dank des starken US-Dollars der höchste Quartalsumsatz der Firmengeschichte erzielt werden konnte, hoffen Analysten nun auf einen neuerlichen Rekord. Die durchschnittlichen Markterwartungen liegen bei 4,65 Mrd. Euro. Im ersten Quartal hatte Henkel 4,43 Mrd. Euro Umsatz erzielt. Auch beim Gewinn wird ein Plus erwartet. Die Prognosen sehen ein EPS von 1,27 Euro vor.

Update: Henkel wächst, aber nicht stark genug

Das zweite Quartal war für den Konsumgüter-Hersteller Henkel von starken Wachstumszahlen geprägt. So konnten der Umsatz um 13,5 Prozent auf 4,7 Mrd. Euro und das betriebliche Ergebnis um 14 Prozent auf 768 Mio. Euro gesteigert werden. Die Umsatzrendite stieg dabei von 16,3 auf 16,4 Prozent. Henkel profitierte vor allem vom schwachen Euro und den Zukäufen des Vorjahres. Während die Zahlen auf den ersten Blick überzeugend ausfielen, enttäuschte der zweite Blick umso mehr. Das organische Umsatzwachstum belief sich lediglich auf 2,4 Prozent und fiel damit drastisch unter dem sehr guten Wert des Vorquartals (+3,6 Prozent) und den Erwartungen (+3,5 Prozent) aus. Henkel-Chef Kasper Rorsted sieht das Unternehmen dennoch auf gutem Weg, die Ziele für das Gesamtjahr 2015 zu erreichen. So sollen 2015 ein organisches Umsatzwachstum von 3 bis 5 Prozent, eine bereinigte EBIT-Marge von etwa 16 Prozent und ein Anstieg beim bereinigten EPS um 10 Prozent erzielt werden.



K+S: Mögliche Übernahme lenkt von Zahlen ab


Beim Düngemittel- und Salzproduzent K+S dominierte die letzten Wochen die Übernahmeofferte des kanadischen Konkurrenten Potash das Nachrichtengeschehen. Zwar wurde das Angebot der Kanadier bislang immer als zu niedrig abgelehnt. Angesichts der heterogenen Aktionärsstruktur wird eine Übernahme weiterhin von vielen erwartet. Die Zahlen dürften daher eher eine untergeordnete Rolle spielen, wenngleich die Euro-Schwäche und die Preiserholung bei Kali eine deutliche Besserung des operativen Geschäfts vermuten lassen. Bereits zu Jahresbeginn war hier eine Überraschung gelungen und sogar die Umsatzprognose erhöht worden. Am Markt werden derzeit ein Quartalsumsatz von 927 Mio. Euro sowie ein EPS von 0,54 Euro erwartet. Beide Werte sollten drastisch über den Vorjahreswerten liegen.

Update: K+S erhöht nach starkem Halbjahr Prognosen

Der Düngemittel- und Salzproduzent K+S kämpft weiter gegen eine Übernahme durch den kanadischen Konkurrenten Potash. Bei der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen gab sich das Management fest davon überzeugt, dass der von den Kanadiern genannte Preis nicht annähernd dem fundamentalen Wert von K+S entspricht. Untermauern konnte der Konzern dies durch die operative Stärke in den letzten sechs Monaten. Während der Umsatz um 16 Prozent auf 2,3 Mrd. Euro gesteigert werden konnte, verbesserte sich das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 25 Prozent auf 630 Mio. Euro. Das bereinigte Konzernergebnis nach Steuern konnte von 223 Mio. Euro auf 317 Mio. Euro ausgeweitet werden, wodurch das bereinigte Ergebnis je Aktie von 1,16 auf 1,66 Euro anstieg. In der Folge wurde K+S auch für das Gesamtjahr optimistischer und erwartet nun einen Umsatz von zwischen 4,35 und 4,55 Mrd. Euro, während das EBITDA einen Wert von 1,06 bis 1,14 Mrd. Euro erreichen soll.



ThyssenKrupp: Erholungskurs geht weiter


Der Industrieriese ThyssenKrupp dürfte auch im dritten Geschäftsquartal den Erholungskurs weiter fortsetzen. Damit sollte das Urgestein der deutschen Wirtschaft immer mehr die tiefste Krise der Unternehmensgeschichte hinter sich lassen. Bereits in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres hatte ThyssenKrupp hier überzeugende Zahlen vorlegen können. Zudem war im Mai die Prognose für das operative Geschäft erhöht worden. Im abgelaufenen dritten Geschäftsquartal dürfte ThyssenKrupp nun einen Umsatz von 11,1 Mrd. Euro und einen Gewinn je Aktie von 0,32 Euro vermelden können. Die Vorjahreswerte sollten damit deutlich übertroffen werden.

Update: ThyssenKrupp kann wieder überzeugen

Wie erwartet hat der Industrieriese ThyssenKrupp im dritten Geschäftsquartal den Erholungskurs fortgesetzt und starke Zahlen geliefert. Während der Umsatz in den ersten neun Monaten um 7 Prozent auf insgesamt 32,2 Mrd. Euro zulegte, kletterte das bereinigte EBIT der fortgeführten Aktivitäten aufgrund des Restrukturierungsprogramms deutlich um 33 Prozent auf 1,26 Mrd. Euro. Allein das dritte Quartal trug hierzu 539 Mio. Euro bei. Der Periodenüberschuss kletterte nach neun Monaten auf 279 Mio. Euro bzw. 52 Cent je Aktie. Angesichts dieser positiven Entwicklung hält das Management an den Zielen für das Geschäftsjahr fest. Der Konzernumsatz soll im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen, während das bereinigte EBIT auf 1,6 bis 1,7 Mrd. Euro ausgeweitet werden soll.



Nestlé: Der Schweizer Franken dürfte belasten


Wann immer es um sichere Aktien geht, kommt früher oder später die Sprache auf den Nahrungsmittelkonzern Nestlé. Ob das nicht nur für die Vergangenheit gilt, sondern auch für die Zukunft, kann niemand mit Gewissheit sagen. Doch die Schweizer sind mit ihrem breiten Portfolio im Nahrungsmittelbereich ein Unternehmen, das in der modernen Welt unverzichtbar geworden ist. Allerdings hat die Umsatzdynamik zuletzt nachgelassen, was sich auch in den Halbjahreszahlen am Donnerstag widerspiegeln sollte. Der Umsatz dürfte bei 43,1 Mrd. Schweizer Franken liegen und damit leicht über dem Vorjahreswert. Beim Gewinn je Aktie wird ein Anstieg von 1,45 auf 1,60 Schweizer Franken prognostiziert.

Update Nestlé: Enttäuschung hält sich in Grenzen

Der Schweizer Lebensmittelriese sorgte zuletzt durch den Skandal in Indien für Schlagzeilen. So wurde Nestlé von Indien wegen angeblichem Blei in Maggi-Nudeln verklagt. Trotz des Umsatzeinbruchs in Indien konnte das Unternehmen einen Halbjahresumsatz von 42,8 Mrd. Schweizer Franken vermelden, etwa auf der Höhe des Vorjahres. Erfreulich dabei: das organische Wachstum, also ohne Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe, belief sich auf 4,5 Prozent und übertraf so die Analystenerwartungen. Der auf die Anteilseigner entfallende Gewinn sank indes um 2,5 Prozent auf 4,5 Mrd. Schweizer Franken bzw. 1,43 Schweizer Franken je Aktie und verfehlte so die Erwartungen. Anleger zeigten sich dennoch damit zufrieden, zumal der Ausblick bestätigt wurde. Demnach wird weiterhin ein organisches Umsatzplus von rund 5 Prozent erwartet.



Nachzügler an der Wall Street


Die großen Technologiewerte wie Apple oder Google haben in der laufenden Berichtssaison bereits berichtet, doch mit Alibaba und Cisco Systems stehen noch zwei spannende Nachzügler aus dem Technologiebereich aus. Der chinesische Internetkonzern wird nach seinem Rekord-Börsengang im vergangenen Herbst als Gradmesser für den Zustand der Wirtschaft in China genutzt. Geht es nach Alibaba sieht es nicht schlecht aus: Der Umsatz soll um ein Drittel auf 3,4 Mrd. US-Dollar zulegen. Das EPS wird bei 58 Cents gesehen.

Update: Alibaba kündigt nach Zahlen Aktienrückkaufprogramm an

Der chinesische Internetkonzern Alibaba konnte im abgelaufenen zweiten Quartal nicht überzeugen. Zwar erreichte der Gewinn je Aktie mit 59 Cents die erwartete Höhe, aber das Umsatzwachstum enttäuschte. Anstatt den Umsatz um ein Drittel auf 3,4 Mrd. US-Dollar zu steigern, wurden nur Erlöse von 3,27 Mrd. US-Dollar erreicht. Die operative Marge fiel so von 54 auf 52 Prozent. Anleger zeigten sich dabei vor allem über die gesunkenen Monetarisierungsmöglichkeiten im Mobilsegment wenig erfreut, da die wachsende Mobilnutzung mit geringeren Werbeerlösen einhergeht. Mit einem 4 Mrd. US-Dollar schweren Aktienrückkaufprogramm will Alibaba zudem den Aktienkurs in den kommenden zwei Jahren stützen.

Im Fall von Cisco Systems erwarten die Analysten lediglich wenig verbesserte Umsatz- und Gewinnzahlen. Das Netzwerkgeschäft hatte zuletzt an Schwung verloren, weshalb der Konzern auch mit Chuck Robbins einen neuen Chef hat. Doch die von ihm eingeleiteten Veränderungen dürften sich noch nicht in den aktuellen Zahlen niederschlagen. Analysten erwarten ein leichtes Umsatzplus auf 12,7 Mrd. US-Dollar sowie eine EPS-Verbesserung um 1 Cent auf 56 Cents.

Update: Neuem Cisco-Chef Chuck Robbins gelingt Überraschung

Erwartet hatte es niemand: Doch Chuck Robbins gelang ein Einstand nach Maß. Unter seiner Leitung hat der amerikanische Netzwerkriese Cisco Systems im vierten Geschäftsquartal den Umsatz um 3,9 Prozent auf den Rekordwert von 12,8 Mrd. US-Dollar und den Gewinn je Aktie um 4,7 Prozent auf 45 Cents gesteigert. Das bereinigte EPS lag mit 59 Cents klar über den Erwartungen der Analysten und überraschte damit ebenso wie der Umsatzanstieg. Auf Sicht des Geschäftsjahres wurden bei Umsatz und Gewinn ebenfalls neue Bestwerte erzielt. Angesichts der starken Zahlen gab sich Robbins auch für das neue Geschäftsjahr zuversichtlich. Cisco Systems will im ersten Geschäftsquartal 2015/16 den Umsatz um 2 bis 4 Prozent steigern und ein bereinigtes EPS von 55 bis 57 Cents erzielen.

 

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