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Highlight

Deutsche Autobauer: Licht am Ende des Tunnels

Die deutsche Automobilindustrie durchläuft stürmische Zeiten. Darüber konnte auch die IAA nicht hinwegtäuschen. Dabei ist es um die Branche gar nicht so schlecht bestellt. Volkswagen, BMW oder Daimler – welche Aktien haben noch Potenzial nach oben?

Auf den ersten Blick sind es beeindruckende Zahlen, mit denen die diesjährige Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) aufwarten konnte. Insgesamt strömten rund 810.000 Besucher zum Messegelände in Frankfurt. Dort präsentierten mehr als 1.000 Austeller ihre Neuheiten, darunter 228 Weltpremieren, 64 Europapremieren und 32 Deutschlandpremieren. Trotzdem wollte dieses Jahr keine übermäßige Freude unter den Messeteilnehmern aufkommen. Abgasskandal, Dieselfahrverbote, Kartellabsprachen – die Branche durchläuft gerade schwierige Zeiten. „In einzelnen Unternehmen unserer Branche– sind gravierende Fehler passiert. Fehler, die nicht hätten passieren dürfen“, zeigte sich Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), in seiner Eröffnungsrede ungewohnt kritisch. Gleichwohl nahm er die Hersteller und Zulieferer auch in Schutz: Pauschale Urteile über die deutsche Automobilindustrie, so Wissmann, seien nicht gerechtfertigt. Die Fakten würden nach Differenzierung verlangen – nicht zuletzt im Interesse der über 815.000 Arbeitnehmer.

 

Fit für die Zukunft?

„Zukunft erleben“, lautete das Motto der IAA. Und tatsächlich wurde auch sehr viel über Zukunftsthemen gesprochen. Digitalisierung, alternative Antriebe, Elektromobilität, vernetztes Fahren, neue Mobilitätskonzepte – alles Schlagworte, die die Branche verändern. Doch sind Volkswagen, BMW, Daimler & Co. für diese Zukunft auch gerüstet? Derzeit bekommt man den Eindruck, dass sie das eben nicht sind. Die deutsche Automobilindustrie verschlafe Megatrends, heißt es immer wieder, und die chinesische oder amerikanische Konkurrenz sei schon viel weiter. Doch der Vorwurf scheint schon beim Elektroauto übertrieben. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (iwd) in Köln kamen im Jahr 2016 rund 19 Prozent der weltweit verkauften Elektroautos von deutschen Herstellern. Zum Vergleich: Bei den konventionellen Pkws liegt ihr Marktanteil nur leicht höher bei 23 Prozent. Außerdem rüstet die Branche weiter auf. Nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) werden die in deutschen Hersteller und Zulieferer allein bis 2020 rund 40 Milliarden Euro für die Elektromobilität investieren. Bis dahin soll sich ihr Modellangebot mehr als verdreifachen – von derzeit 30 Modellen auf knapp 100.




 

Hohe Innovationskraft

Auch beim zweiten großen Zukunftsthema, dem vernetzten beziehungswiese autonomen Fahren, sind die deutschen Branchenvertreter gut aufgestellt. So ergab eine weitere Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft, dass 52 Prozent der weltweit angemeldeten Patente zum autonomen Fahren auf deutsche Hersteller entfallen. Spitzenreiter ist der Studie zufolge Bosch mit 958 Patenten vor Audi (516) und Continental (439). Auch BMW, Volkswagen und Daimler zählen zu den Top 10 der Patentanmeldungen. Der gehypte US-Elektroautohersteller Tesla ist unter den ersten zehn übrigens nicht zu finden. „Die deutsche Automobilindustrie hat vor allem deshalb gute Karten im Poker um die Technologieführerschaft, weil sie durch ihr Ingenieurs-Knowhow, die Stärke im Premiumsegment und die innovative heimische Zulieferindustrie gleich mehrere Standortvorteile genießt“, betont Studienautor Hubertus Bardt.




 

Analysten raten bei Volkswagen zum Kauf

Die Aktien der deutschen Autokonzerne sind also durchaus einen Blick wert. Zum Beispiel Volkswagen. Mit dem Zukunftsprogramm „TOGETHER – Strategie 2025“ haben die Wolfsburger den größten Veränderungsprozess in ihrer Geschichte eingeleitet. Die übergeordnete Vision lautet, zu einem weltweit führenden Anbieter nachhaltiger Mobilität zu werden. Zu diesem Zweck sollen bis zum Jahr 2025 mehr als 30 zusätzliche vollelektrische Modelle auf den Markt gebracht werden. Die Analysten der Research-Gesellschaft KeplerCheuvreux empfehlen die VW-Aktie mit einem Kursziel von 175 Euro zum Kauf. Sie heben dabei das von Volkswagen entwickelte flexible Baukastensystem (MBQ) hervor. Dieses sieht vor, dass mittelfristig mindestens 43 Modelle von Volkswagen und Audi, Skoda und Seat mit gleichen Bauteilen bedient werden. Das spart Kosten in Milliardenhöhe.


Quelle: Reuters

 

Continental hat noch Potenzial

Nicht ganz so positiv werden hingegen die Kurschancen von BMW und Daimler bewertet. Der Münchener Autobauer sei zwar hochinnovativ, aber einige Schlüsselmodelle würden sich zu sehr ähneln, kritisiert Michael Raab, Analyst bei KeplerCheuvreux. Beim Stuttgarter Konkurrenten Daimler wiederum halten sich nach Ansicht von Raab die Chancen und Risiken derzeit die Waage. Positiv sieht er die guten Bilanzkennzahlen der Schwaben sowie die hohen Margen. Auf der anderen Seite, so Raab, fehle Daimler aber ein Exposure im Premium-Subcompact-Segment. Unter den Zulieferern gehört aktuell Continental zu den Favoriten des Analysten. Das Unternehmen erzielt bereits mehr als 60 Prozent seines Umsatzes mit digitalen Lösungen wie Elektronik, Software und Sensoren für das assistierte beziehungsweise automatisierte Fahren. In den kommenden Jahren soll dieser Anteil auf 70 Prozent steigen. Raab sieht für die Continental-Aktie noch Kurspotenzial von aktuell mehr als zehn Prozent.

Quelle: Reuters

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