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Corner

Der Handelsstreit und seine Auswirkungen auf die Wirtschaft

Er ist einer der größten Unsicherheitsfaktoren für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Europa, in den USA, weltweit. Die Rede ist vom Handelsstreit, den US-Präsident Trump mit der Einführung erster Zölle auf Stahl und Aluminium eingeläutet hat. Nach den ersten Gegenreaktionen scheint derzeit kein Ende der Spirale in Sicht. Was stellt die größte Gefahr insbesondere für die deutsche Wirtschaft dar?

Die ersten Gegenmaßnahmen auf die von den USA verhängten Zölle auf Stahl und Aluminium wurden sowohl von der EU als auch von China und anderen Handelspartnern beschlossen. Als Reaktion darauf läutete US-Präsident Trump die nächste Runde von Zöllen auf weitere Produkte und waren aus verschiedenen Ländern ein. Es droht eine weitere Verschärfung des Konflikts mit nicht zu unterschätzenden Auswirkungen auf den Welthandel und damit das globale Wirtschaftswachstum. In diesem Hinblick ist gerade ein Thema von besonderer Brisanz für Europa im Allgemeinen und die deutsche Wirtschaft im Besonderen. Die Rede ist von möglichen US-Einfuhrzöllen auf Autos aus der europäischen Union.

Der Automobilsektor macht fast 2,5% Prozent der gesamten Wertschöpfung im EU-Raum aus. Außerdem ist die EU nach China der zweitgrößte Automobilproduzent, gemessen an der Anzahl der produzierten Autos. Die USA sind mit Abstand der größte Einzelexportmarkt. Autos im Wert von 132 Mrd. Euro konnten Unternehmen aus EU-Mitgliedsländern in die USA verschiffen.


Auswirkung auf die Nachfrage


Innerhalb der EU ist Deutschland der größte Exporteur von Autos und generiert hier einen Umsatz von rund 72 Mrd. Euro jährlich. Wie würde sich daher ein Handelskrieg mit 25 % Importzöllen auf EU-Autos auf die Nachfrage auswirken? In unserem Szenario rechnen wir mit einer Preiselastizität der Nachfrage von etwa eins. Die Preiselastizität beschreibt, wie sich Preisänderungen auf die Nachfrage auswirken würden. Der Wert von etwa eins bedeutet, dass die Nachfrage sich annähernd vollständig mit dem Preis mitbewegt. Demnach würden Zölle von 25 %, die komplett an den Konsumenten weitergereicht werden – also den Verkaufspreis der Autos erhöhen, zu einer Reduktion der Nachfrage von maximal 22,5 % oder rund 260 Tsd. Autos führen. Diese Berechnung ist jedoch rein hypothetisch, denn in der Praxis ist es unwahrscheinlich, dass Zölle eins zu eins an den Konsumenten weitergereicht werden würden. Eher noch werden die Gewinnmargen der Automobilhersteller davon gedämpft. Darüber hinaus spielt der zugrundeliegende Wechselkurs eine wesentliche Rolle. Durch Importzölle könnte der Euro im Vergleich zum Dollar weiterhin geschwächt werden, was sich im Umkehrschluss positiv auf die Gewinne der Produzenten auswirken würde, da diese mit den Dollarverkäufen mehr verdienen würden.

Importzölle auf Autos könnten dazu führen, dass die europäischen Hersteller ihre Produktionskapazitäten in den USA ausbauen, um diese Zölle zu umgehen und Rückgänge in der US-Nachfrage auszugleichen. US-Präsident Trump käme in diesem Fall seinem Ziel der Schaffung von Industriearbeitsplätzen in den USA näher. Allerdings sollten hier zwei Punkte berücksichtigt werden. Investitionspläne in der Automobilindustrie sind grundsätzlich langfristig angelegt und werden in der Regel nicht kurzfristig umgesetzt. Es sollten also keine schnellen Auswirkungen auf Arbeitsplätze erwartet werden. Andererseits müsste mit Gegenmaßnahmen der EU gerechnet werden, um die hiesige Automobilindustrie zu schützen, was die Exportchancen von Autos aus der US-Produktion weiter schmälern würde.


China als potentieller Ausweichmarkt


China ist derzeit der drittgrößte Exportmarkt für die deutsche Industrie. Etwa 6.7 % aller deutschen Exportgüter landen momentan in China. Im Vergleich dazu werden rund 8.7 % aller Güter in die USA exportiert. Allerdings schlägt das Exportwachstum nach China jenes gegenüber den USA deutlich. Es ist somit vorstellbar, dass China schon in naher Zukunft sogar der wichtigste Exportmarkt Deutschlands wird und somit die Relevanz des US-Markts als Exportdestination und die Auswirkungen möglicher Importzölle schmälern lässt. Auch werden in China schon heute mehr Autos deutscher Hersteller gekauft, als in den USA und Deutschland, weshalb China gerade für die Gewinne und Investitionspläne deutscher Automobilhersteller wichtiger ist.

Die deutsche und auch die europäische Wirtschaft sind also stärker vom zukünftigen Wirtschaftswachstum in China abhängig als von den USA. Eine wichtige Frage in den kommenden Monaten wird sein, inwieweit der Handelsstreit mit den USA die chinesische Wirtschaft trifft und ob staatliche Stimulierungen der chinesischen Wirtschaft helfen werden. Aktuell gehen wir von einem leichten Rückgang des chinesischen Wirtschaftswachstums von 6,9 Prozent im Jahr 2017 auf 6,7 Prozent im Jahr 2018 aus. Im Jahr 2019 erwarten wir dann 6,4 Prozent Wachstum in China. Auch wenn, wie eingangs dargestellt, der Handelskrieg derzeit einen der größten Risikofaktoren für die Weltwirtschaft darstellt, so sollte sein negativer Einfluss doch überschaubar sein.

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