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DAX® 2019: Viele Gewinner, so manche Enttäuschung

Das in Kürze zu Ende gehende Jahr bescherte der großen Mehrheit der im deutschen Leitindex vertretenen Aktien zum Teil deutliche Kursgewinne. Unter den Top-3-Titeln befindet sich ein Indexneuling, ein altbekannter Überflieger sowie ein Überraschungsgast. Gute Nerven brauchten Anleger hingegen bei Wirecard.

Obwohl sich die Konjunktur in Deutschland im Laufe des Jahres spürbar eingetrübt hat, gehört 2019 bis dato zu den zehn besten Jahren in der rund 30-jährigen Geschichte des DAX®. Vom 1. Januar bis 6. Dezember 2019 konnte der deutsche Leidindex knapp 25 Prozent hinzugewinnen. Der Aufschwung stand auf einer vergleichsweise breiten Basis: Von den 30 DAX-Konzernen fällt bei 24 Titeln die Jahresbilanz bislang positiv aus, wobei 20 Werte Kursgewinne von mehr als zehn Prozent verzeichnen konnten. Lediglich sechs DAX-Unternehmen stehen unter Wasser (Hinweis: alle Angaben sowie auch die folgenden Daten beziehen sich auf die Schlusskurse am 6. Dezember 2019).


MTU Aero Engines: Starkes DAX-Debüt


Top-Performer unter den deutschen Blue Chips ist eine Aktie, die erst im September dieses Jahres den Aufstieg in die erste deutsche Börsenliga geschafft hat. Die Rede ist von MTU Aero Engines. Rund 65 Prozent legte der Kurs des Münchener Triebwerkherstellers seit Jahresbeginn zu. Zur überdurchschnittlichen Entwicklung haben mehrere Faktoren beigetragen. Zum einen sorgte die Beförderung in den DAX bereits im Vorfeld der Bekanntgabe durch die Deutsche Börse für positive Kursimpulse. Zum anderen überzeugte das Unternehmen mit einer guten Geschäftsentwicklung. So legte der operative Gewinn im dritten Quartal um gut zehn Prozent auf 192,5 Millionen Euro zu und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Außerdem erreichte der Auftragsbestand bis Ende September 2019 den Rekordwert von 20,8 Milliarden Euro. Angesichts der vollen Auftragsbücher teilte das Unternehmen kürzlich auf dem Investorentag in Hannover mit, auch im kommenden Jahr ein operatives Gewinnwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich anzustreben. Eine weitere gute Nachricht: Konzernchef Reiner Winkler stellte den Aktionären in einem Interview mit „Euro am Sonntag“ eine höhere Ausschüttungsquote in Aussicht. Sie soll von derzeit 30 Prozent des bereinigten Nettoergebnisses in den kommenden drei Jahren auf 40 Prozent steigen. Auch Aktienrückkäufe stellen für Winkler in Jahren mit einem starken Cashflow eine Option dar. Gleichwohl ist die Aktie von MTU Aero Engines nicht ohne Risiken. So erwartet das Unternehmen beim Geschäft mit militärischen Triebwerken im kommenden Jahr lediglich eine stabile Entwicklung. Auch ist das Unternehmen sehr stark vom US-Dollar abhängig – eine schwächere US-Währung könnte sich daher negativ auf die Bilanz auswirken.


Adidas: Das Ende der Fahnenstange erreicht?


Auf Platz zwei in der Liste der Top-Performer rangiert Adidas mit einem Plus von 53 Prozent. Den Großteil der Kursgewinne hat der Herzogenauracher Sportartikelkonzern allerdings bereits im ersten Halbjahr eingefahren. Seither befindet sich die Aktie nur noch im Seitwärtsgang. Für viele Analysten ist diese Konsolidierung überfällig. Immerhin gehörte Adidas auch schon in den vergangenen Jahren zu den absoluten Überfliegern im DAX. Seit Anfang 2015 hat sich der Wert der Aktie nahezu verfünffacht – mehr schaffte kein anderer Titel aus der obersten deutschen Aktienliga. Die Kursgewinne haben dazu geführt, dass die Bewertung der Aktie mittlerweile ein vergleichsweise hohes Niveau erreicht hat. Aktuell notiert sie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 29 (auf Basis der für das kommende Jahr erwarteten Gewinne). Eine so ambitionierte Bewertung muss erst einmal verdient sein, zumal Adidas seinen Wettbewerbern Nike und Puma beim währungsbereinigten Umsatzwachstum zuletzt hinterherhinkte.


Deutsche Post: Profiteur des Online-Booms


Auf den dritten Platz der größten Kursgewinner im DAX steht mit einem Plus von mehr als 42 Prozent ein Titel, den vermutlich die Wenigsten zu Beginn des Jahres auf der Rechnung gehabt haben dürften: die Deutsche Post. Das Unternehmen machte in Vergangenheit eher mit Sanierungszwängen und Sparmaßnahmen von sich reden. Mit ein Grund für das formidable Comeback der „gelben Aktie“ ist der boomende Online-Handel. Am Kaufrausch im Internet verdient die Deutsche Post gleich doppelt mit. Zum einen über eine steigende Paketmenge. Zum anderen über die Erhöhung der Porto-Gebühren im Sommer, wodurch der durchschnittliche Umsatz pro Paket ebenfalls zunimmt. Es wird spannend zu sehen sein, wie es für die Post im vierten Quartal gelaufen ist, denn Marktbeobachtern zufolge haben die diesjährigen Internet-Verkaufsaktionen „Black Friday“ (29. November 2019) und „Cyber Monday“ (1. Dezember 2019) alle Bestellrekorde gebrochen. An solchen Spitzentagen befördert die Post eigenen Angaben zufolge bis zu elf Millionen Pakete und damit mehr als doppelt so viel wie an gewöhnlichen Tagen. Ein Risikofaktor bleibt der Handelskonflikt zwischen den USA und China bzw. Europa, denn dadurch könnte das internationale Expressgeschäft der Deutschen Post in Mitleidenschaft gezogen werden. US-Konkurrent FedEx hat seine Erwartungen deshalb schon zurückgenommen.


Wirecard: Wilde Achterbahnfahrt


Während es für die meisten DAX-Aktien im zurückliegenden Jahr ganz gut gelaufen ist, entwickelten sich die Aktien der Deutschen Bank (minus sechs Prozent) und der Deutschen Lufthansa (minus 13 Prozent) enttäuschend. Große Ernüchterung herrscht auch bei Wirecard (ebenfalls minus 13 Prozent). Grund dafür sind die von der Financial Times (FT) und anderen Medien vorgebrachten Beschuldigungen der Bilanzmanipulation. Zwar bestreitet das Unternehmen die Vorwürfe vehement, dennoch hängt die Unsicherheit über etwaige buchhalterische Tricksereien wie ein Damoklesschwert über der Aktie. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass Wirecard mit einer Volatilität von 69 Prozent (seit Jahresanfang) die mit Abstand schwankungsanfälligste Aktie im DAX war. Das verlangt nach guten Nerven. Dagegen erwiesen sich die Aktien von der Deutschen Telekom (Volatilität: 13 Prozent), Allianz (Volatilität: 15 Prozent) und der Münchener Rück (Volatilität: 14 Prozent) als die beständigsten Titel im deutschen Leitindex.



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