201803_China_Header

Corner

China: Aufbruch in eine neue Ära

Ökonomen sehen China in einer kritischen Übergangsphase. Augenscheinlich hat das Land jedoch einen Plan, um sich endgültig als führende Industriemacht der Welt zu positionieren. Zu diesem Schluss kommen die Analysten von Citi GPS in einer interessanten Studie über die Volksrepublik.

Da die Volksrepublik China circa 40 Prozent zum globalen Wirtschaftswachstum beiträgt, gilt eine Verlangsamung des Wachstums in China, wie es viele Ökonomen erwarten, als besonders kritisch für die Entwicklung der Weltwirtschaft. „Die nächsten fünf Jahre werden für China eine kritische Periode werden“, heißt es in einer Studie von Citi Global Perspecitves & Solutions (GPS) zu diesem Thema. Wie die Mehrheit der Ökonomen, erwarten auch die Citi-Experten, dass sich die Wachstumsdynamik im Reich der Mitte in den laufenden Jahren abschwächen wird.



Nachlassende Wachstumsdynamik

Legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2017 noch um 6,9 Prozent zu, wird für Ende dieses Jahres nur noch mit einem Plus von 6,3 Prozent gerechnet. Ein Problem wäre, dass sich bei einer anhaltend restriktiven Fiskal- und Geldpolitik die Investitionstätigkeit verlangsamen könnte, was nur teilweise durch eine Zunahme der Konsumausgaben infolge steigender Löhne kompensiert werden dürfte. Falls sich die Konjunktur tatsächlich abschwächt, dürfte die chinesische Notenbank PBoC (People's Bank of China) vermutlich ihre Geldpolitik im zweiten Halbjahr lockern, um die Wirtschaft zu stützen.



Risikofaktor Inflation

Doch es gibt noch ein weiteres Problem. Die Rede ist von der Inflation. Die Kernrate erreichte im Jahr 2017 den höchsten Stand seit sechs Jahren und könnte sich weiter beschleunigen. Ein Dilemma. Denn eigentlich müsste die PBoC der zunehmenden Teuerung mit Zinsanhebungen entgegensteuern. In der Vergangenheit geschah dies bei einem Anstieg des Consumer Price Index (CPI) um 3,0 Prozent. Entsprechend groß war die Erleichterung an den Märkten, als das Nationale Statistikbüro (NBS) vor Kurzem meldete, dass die Inflationsrate im Januar auf 1,5 Prozent zurückgegangen ist - von 1,8 Prozent im Vormonat. Was von den Marktteilnehmern ebenfalls mit Argusaugen beobachtet wird, ist der hohe Schuldenstand des chinesischen Bankensektors. Das könnte sich als Gefahr für die Finanzstabilität Chinas erweisen. Untermauert wurden diese Sorgen unlängst durch einen Stresstest des Internationalen Währungsfonds (IWF), der potenzielle Kapitallücken aufdeckte.



China vor Epochenwechsel

Alles in allem sind die Analysten von Citi GPS aber zuversichtlich für die Entwicklung in China. In Ihrer Studie „China entering a new political economy cycle“ weisen sie darauf hin, dass in China mit der staatlichen Strategie „Made in China 2025“ eine neue ökonomische Ära angebrochen sei. Demnach soll sich das Land grundsätzlich wandeln. Weg von der „Werkbank der Welt“, die bislang für die Fertigung und Belieferung der Welt mit billiger Massenware zuständig war, hin zu einem Anbieter für High-End-Produkte und -Dienstleistungen. "Made in China" soll nicht mehr für „Ramschware“ stehen, sondern für Innovation, Qualität und Effizienz – unter Einsatz modernster digitaler Technologien wie dem Internet der Dinge, Big Data oder Künstlicher Intelligenz. Eine Herausforderung für die etablierten Industrienationen.



Qualität statt Quantität

Bereits heute gehöre China nach Analyse von Citi GPS in einigen Industriezweigen wie Computerequipment, Robotertechnologie oder Luft- und Raumfahrttechnik zur Weltspitze. Die Citi-Experten gehen außerdem davon aus, dass die politische Führung des Landes bei der Umsetzung ihrer Initiative „Made in China 2025“ ein noch höheres Tempo einschlagen wird. Etwa über eine Erhöhung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Im Augenblick liegt der Anteil der chinesischen Forschungs- und Entwicklungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt bei 2,1 Prozent und damit noch deutlich unter dem Niveau von Industrienationen wie den USA, Deutschland, oder Japan. Aber schon in Jahr 2020, so Citi GPS, könnte die Quote auf 2,5 Prozent gestiegen sein.



Fazit: Potenzial zur Nummer 1

Noch befindet sich China in einer Übergangsphase. Das birgt Risiken für Anleger. Blickt man jedoch auf die langfristigen Perspektiven, erwartet die Studie, dass China den Willen und das Potenzial hat, eine der technologisch führenden Industriemächte zu werden.



Mehr Informationen erwünscht?
Interessierte Leser, die mehr Details über die Einschätzungen von Citi GPS erhalten möchten, finden diese in der Studie „China entering a new political economy cycle“. (Hinweis: die Studie ist in Englisch)

Kommentare (0)

Kommentar verfassen*

* Ihr Kommentar wird erst nach einer redaktionellen Prüfung veröffentlicht.