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Berichtssaison voraus: Positive Überraschungen im Überfluss?

In diesen Tagen blicken Anleger auf den Beginn einer weiteren Berichtssaison. Dabei dürften die Unternehmensgewinne auf beiden Seiten des Atlantiks zunehmend im Zeichen der Konjunkturabkühlung, des Handelsstreits zwischen den USA und China sowie dem drohenden No-Deal-Brexit stehen. Daher ist es wenig verwunderlich, dass sich Analysten zuletzt in Bezug auf das Umsatzwachstum und die Gewinne vieler Unternehmen pessimistischer als noch zu Beginn des Jahres 2019 präsentierten.

Laut FactSet rechnen Marktexperten für die Unternehmen im S&P 500® für das September-Quartal im Schnitt mit einem Rückgang des bereinigten Gewinns je Aktie im Vorjahresvergleich um 4,1 Prozent. Sollte dieser Fall eintreten, wäre es das erste Mal seit dem zweiten Quartal 2016, dass die Unternehmen im S&P 500® das dritte Quartale in Folge mit einem Gewinnrückgang aufwarten würden.

Trotzdem gibt es eine gute Nachricht. Aktien tendieren dazu mit Kurssteigerungen auf positive Überraschungen zu reagieren. Da die Erwartungen relativ niedrig sind, könnte es durchaus zu einigen positiven Überraschungen kommen. Daher darf man gespannt sein, wie der Start in die Berichtssaison zum dritten Quartal 2019 ausfällt. Zunächst werden einige US-Finanzinstitute im Fokus stehen.

In der kommenden Woche berichten unter anderem Goldman Sachs, Johnson & Johnson JPMorgan Chase, Wells Fargo (Dienstag); Bank of America, Netflix (Mittwoch); Morgan Stanley (Donnerstag) und American Express (Freitag).

Goldman Sachs & Co müssen sich auf eine neue Marktsituation einstellen


Die US-Finanzinstitute hatten sich bereits auf steigende Zinsen eingestellt, Ende Juli änderte die Notenbank Fed jedoch ihre Geldpolitik. Um für eine gewisse Absicherung gegenüber den negativen Folgen des chinesisch-amerikanischen Handelsstreits und einer Konjunkturabkühlung zu sorgen wurden die Leitzinsen erstmals seit der Finanzkrise gesenkt. Mitte September folgte gleich der nächste Zinsschritt. Darauf müssen die US-Banken reagieren. Zunächst gilt jedoch der Blick den Geschäftsergebnissen zum September-Quartal. Am Dienstag ist unter anderem Goldman Sachs an der Reihe. Analysten rechnen laut Refinitiv mit einem leichten Umsatzrückgang im Vorjahresvergleich um 1,5 Prozent auf 8,52 Mrd. US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie wird im Schnitt bei 5,13 US-Dollar gesehen, nach 6,28 US-Dollar im Vorjahr.

Update Goldman Sachs: Investmentbanking im Fokus
Goldman Sachs verzeichnete im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr einen Umsatzrückgang um 3,8 Prozent auf 8,32 Mrd. US-Dollar. Der den Anteilseignern zurechenbare Nettogewinn schrumpfte auf 1,79 Mrd. US-Dollar, nach 2,45 Mrd. US-Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der bereinigte Gewinn je Aktie wurde von Unternehmensseite mit 4,79 US-Dollar angegeben. Analysten hatten kurz vor Bekanntgabe der Zahlen laut Refinitiv im Schnitt Umsatzerlöse in Höhe von 8,31 Mrd. US-Dollar bei einem bereinigten Gewinn je Aktie von 4,81 US-Dollar in Aussicht gestellt. Goldman Sachs machte zuletzt vor allem der Bereich Investmentbanking zu schaffen. Das Institut hatte bei den jüngsten Börsengängen einiger Unternehmen wenig Glück, außerdem lagen die Gebühreneinnahmen in diesem Bereich unter den Erwartungen.


Quelle: Bloomberg, Kurs in USD

Johnson & Johnson: Ungewöhnlicher Fall


Der US-Pharmazie- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson stand zuletzt wegen eines ungewöhnlichen Urteils im Fokus. Das Unternehmen muss eine Strafzahlung in Höhe von 8 Mrd. US-Dollar leisten, weil es nicht davor gewarnt hätte, dass das Antipsychotikum Risperdal zu unerwünschten Brustvergrößerungen bei männlichen Patienten führen könne. Am Dienstag stehen dagegen die jüngsten Quartalsergebnisse des Konzerns im Fokus. Auf der Ergebnisseite liegt der Refinitv-Konsens für das September-Quartal bei 2,00 US-Dollar je Aktie, was einem Rückgang gegenüber dem Vorjahreswert von 2,05 US-Dollar entsprechen würde. Die Umsatzerlöse sollen aus Analystensicht ebenfalls zurückgegangen sein. Im Schnitt wird laut Refinitiv mit einem Rückgang um 1,2 Prozent auf 20,10 Mrd. US-Dollar gerechnet.

Update Johnson & Johnson: Optimistischere Ziele
Johnson & Johnson profitierte im dritten Quartal 2019 vor allem von guten Verkäufen einiger seiner verschreibungspflichtigen Medikamente. Daraufhin hob der US-Pharmazie- und Konsumgüterkonzern sogar seine Ziele für das Gesamtjahr an. Zwischen Juli und September lagen die konzernweiten Umsatzerlöse bei 20,73 Mrd. US-Dollar. Ein Anstieg von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn kletterte von 3,93 Mrd. US-Dollar im Vorjahr auf 4,83 Mrd. US-Dollar, während das bereinigte EPS mit 2,12 US-Dollar angegeben wurde. Für das Gesamtjahr 2019 rechnet das Management nun mit einem bereinigten Gewinn je Aktie in Höhe von 8,62 bis 8,67 US-Dollar, nachdem sich der Konzern zuvor lediglich einen Wert von 8,53 bis 8,63 US-Dollar zugetraut hatte.


Quelle: Bloomberg, Kurs in USD

JPMorgan Chase: Gegen den Trend


Die US-Großbank JPMorgan Chase profitierte zuletzt von einem höheren Zinsergebnis und einem Anstieg der Konsumentenkredite, so dass die schwächere Entwicklung im Handelsgeschäft im zweiten Quartal ausgeglichen werden konnte. Jetzt steht die Bekanntgabe der Geschäftszahlen zum dritten Quartal 2019 an. Am Dienstag ist es so weit. Im Gegensatz zu einigen anderen Branchenvertretern gehen Analysten laut Refinitiv für die Zeit zwischen Juli und September bei JPMorgan Chase von einem Umsatzanstieg im Vorjahresvergleich um 2,6 Prozent auf 28,54 Mrd. US-Dollar aus. Außerdem wird mit einem Gewinnanstieg um 11 Cents auf 2,45 US-Dollar gerechnet.

Update JPMorgan Chase: Starkes Wachstum
JPMorgan Chase konnte im dritten Quartal mit Rekord-Umsatzerlösen aufwarten. Das Institut zeigte sich im September-Quartal vor allem im Emissionsgeschäft und im Anleihenhandel stark. Konzernweit lagen die Umsätze bei 30,06 Mrd. US-Dollar. Ein Anstieg von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn lag bei 9,08 Mrd. US-Dollar, nach 8,38 Mrd. US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte einen Wert von 2,68 US-Dollar. Damit wurden die Markterwartungen deutlich geschlagen. Analysten rechneten laut Refinitiv zuletzt mit einem EPS in Höhe von 2,45 US-Dollar.


Quelle: Bloomberg, Kurs in USD

Wells Fargo: Neuer CEO in den Startlöchern


Mit Wells Fargo wird am kommenden Dienstag ein weiterer US-Bankenriese seine Geschäftszahlen zum dritten Quartal vorlegen. Während Marktexperten laut Refinitiv für das Finanzinstitut aus San Francisco für das September-Quartal mit einem um 1 Cent höheren bereinigten Gewinn je Aktie als im entsprechenden Vorjahreszeitraum rechnen, stellen sie einen Umsatzrückgang von 3,7 Prozent auf 21,12 Mrd. US-Dollar in Aussicht. Anleger werden gespannt auf die Zahlenbekanntgabe schauen, dagegen konnte Wells Fargo in einem anderen Punkt bereits für Klarheit sorgen. Charles W. Scharf übernimmt den Vorstandsvorsitz am 21. Oktober.

Update Wells Fargo: Hypotheken-Geschäft enttäuscht
Wells Fargo musste im dritten Quartal 2019 unter anderem wegen hoher Gerichtskosten und geringerer Einnahmen aus Hypothekenzinsen einen Gewinnrückgang im Vorjahresvergleich hinnehmen. Der Nettogewinn fiel von 6,0 Mrd. US-Dollar im Vorjahr auf nun 4,6 Mrd. US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,07 US-Dollar. Damit blieb das in San Francisco beheimatete Unternehmen unter den Markterwartungen. Analysten hatten zuvor laut Refinitiv mit einem bereinigten Gewinn je Aktie in Höhe von 1,15 US-Dollar gerechnet.


Quelle: Bloomberg, Kurs in USD

Bank of America: Ergebnisrückgang erwartet


Nach Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Wells Fargo wird mit Bank of America gleich der nächste US-Finanzriese seine neuesten Quartalsergebnisse vorstellen. Am Markt wird laut Refinitiv für das September-Quartal mit Umsatzerlösen in Höhe von 22,88 Mrd. US-Dollar gerechnet. Dies würde in etwa dem Vorjahreswert von 22,93 Mrd. US-Dollar entsprechen. Im Gegensatz dazu sollen die Gewinne aus Analystensicht etwas deutlicher zurückgegangen sein. Für den bereinigten Gewinn je Aktie beträgt der Refinitiv-Konsens 0,50 US-Dollar, nach 0,66 US-Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Update Bank of America: Ein gutes Zeichen
Bank of America konnte mit seinen Ergebnissen zum dritten Quartal in einem Umfeld mit fallenden Zinsen positiv überraschen. Das Institut profitierte vom Aktienhandel und einer stärkeren Kreditvergabe. Zwar fiel der Nettogewinn von 7,2 Mrd. US-Dollar im Vorjahr auf nun 5,8 Mrd. US-Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie lag jedoch bei 75 Cents und damit über dem Refinitiv Konsens von 51 Cents. Die Umsatzerlöse konnten leicht auf 22,8 Mrd. US-Dollar gesteigert werden, was in dem aktuellen, für Banken nicht gerade einfachen Marktumfeld ein gutes Zeichen ist.


Quelle: Bloomberg, Kurs in USD

Netflix: Harter Preiskampf


Während Netflix kräftig in eigene Filme, Serien und Dokumentation investiert, muss sich der Marktführer unter den Video-on-Demand-Anbietern einem harten Preiswettbewerb stellen. Apple und Disney wollen bald eigene deutlich günstigere Streamingdienste starten. Dieser Preiskampf könnte die Ergebnisse bei Netflix in Zukunft belasten. Wie die Zahlen im September-Quartal ausgefallen sind, erfahren Anleger am kommenden Mittwochabend. Aus Analystensicht dürften die Umsatzerlöse gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen sein. Der Refinitiv-Konsens liegt bei 5,25 Mrd. US-Dollar. Dies würde einem Zuwachs von 31,3 Prozent entsprechen. Die Ergebnisse sollen laut den durchschnittlichen Schätzungen von 0,89 US-Dollar auf 1,04 US-Dollar angestiegen sein.

Update Netflix: Schwindende Preissetzungsmacht
Netflix konnte Anleger mit den Ergebnissen zum dritten Quartal 2019 überzeugen, allerdings verwies der Video-on-Demand-Anbieter auch auf die kommenden Herausforderungen. So sei laut Managementeinschätzung der zunehmende Wettbewerb eine Belastung. Außerdem bleit es fraglich wie stark Netflix die Preise in Zukunft anheben kann, da als Reaktion auf die jüngsten Preiserhöhungen leicht erhöhte Abwanderungsraten bei den Abonnenten festgestellt wurden. Trotzdem überzeugte Netflix im dritten Quartal mit dem Kundenfang, vor allem außerhalb des US-Heimatmarktes. Es kamen international 6,26 Millionen neue Kunden hinzu, während Marktexperten laut FactSet lediglich mit einem Wert von 6,05 Millionen gerechnet hatten. Zudem überzeugte Netflix auf der Ergebnisseite, obwohl weiter kräftig in eigene Filme, Serien und Dokumentationen investiert wurde. Der Nettogewinn stieg um 65 Prozent auf 665 Mio. US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,47 US-Dollar und damit über dem Refinitiv-Konsens von 1,04 US-Dollar.


Quelle: Bloomberg, Kurs in USD

Morgan Stanley: Markterwartungen im Fokus


Obwohl Morgan Stanley im zweiten Quartal die Markterwartungen schlagen konnte, musste das US-Finanzinstitut sowohl mit Umsatzrückgängen als auch mit Einbußen beim Gewinn leben. Dafür hatte zum Beispiel das schwache Handelsgeschäft gesorgt. Wie die Geschäftszahlen für das dritte Quartal ausgefallen sind, erfahren Investoren am Donnerstag. Analysten gehen im Schnitt erneut von Umsatz- und Gewinnrückgängen im Vorjahresvergleich aus. Laut Refinitiv liegen die Schätzungen für die Umsätze bei 9,71 Mrd. US-Dollar. Dies wäre ein Rückgang von 1,6 Prozent. Der Gewinn je Aktie soll aus Analystensicht von 1,17 US-Dollar im Vorjahr auf 1,13 US-Dollar zurückgegangen sein.


Quelle: Bloomberg, Kurs in USD

American Express will weiter zulegen


Der Kreditkartenkonzern American Express überzeugte im zweiten Quartal mit einem deutlichen Anstieg bei Umsatz und Gewinn. Das Unternehmen profitierte dabei von allen Geschäftsbereichen und den investierten Ausgaben für Treueprogramme. Ob dies auch im dritten Quartal der Fall war, erfahren Anleger am Freitag. Analysten gehen für die Zeit zwischen Juli und September laut Refinitiv von einem deutlichen Umsatzanstieg um 8 Prozent auf 10,95 Mrd. US-Dollar aus. Der Gewinn je Aktie soll um 15 Cents auf 2,03 US-Dollar zugelegt haben.

Update American Express: Konsumenten weiter in Kauflaune
Der US-Kreditkartenanbieter American Express profitierte auch im dritten Quartal 2019 von der anhaltenden Kauflaune der Konsumenten weltweit und der zunehmenden Verwendung von Kreditkarten zum Bezahlen dieser Einkäufe. Im September-Quartal kletterten die Umsatzerlöse gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent auf 11,0 Mrd. US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 11 Prozent auf 2,08 US-Dollar. Analysten hatten zuvor laut Refinitiv Umsatzerlöse in Höhe von 10,95 Mrd. US-Dollar bei einem bereinigten EPS von 2,03 US-Dollar erwartet.



Quelle: Bloomberg, Kurs in USD


Im Laufe der kommenden Woche finden Sie dann an dieser Stelle Updates dazu, wie die Unternehmensergebnisse ausgefallen sind.
 

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