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Berichtssaison kommt am Markt gut an: Der Blickwinkel ist entscheidend

Angesichts des Handelsstreits zwischen China und den USA sowie einer weltweiten Konjunkturabkühlung hatten Analysten ihre Schätzungen für die Unternehmensgewinne und -Umsätze für das dritte Quartal 2019 teilweise deutlich nach unten gefahren. Wie es aussieht, hätte den Aktienkursen kaum etwas Besseres passieren können.

Auf beiden Seiten des Atlantiks konnten Unternehmen überraschend positiv abschneiden. Dies bescherte den Börsen zusammen mit einer Entspannung im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit und der anhaltend lockeren Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken ordentlich Schwung.

Wichtige US-Aktienindizes wie der Dow Jones Industrial Average, ®?S&P 500 und ®?NASDAQ Composite konnten zuletzt auf neue Rekordstände klettern. Der deutsche Leitindex ®?DAX knackte die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten und könnte nun seinerseits das Allzeithoch bei 13.596 Punkten angreifen. Dabei ist es nicht so, dass es die Unternehmen derzeit nicht mit einem schwierigen Umfeld zu tun hätten.

Bisher haben knapp 90 Prozent der Unternehmen aus dem ®?S&P 500 ihre Ergebnisse zum dritten Quartal 2019 vorgelegt. Laut FactSet wurden die durchschnittlichen Analystenerwartungen an den bereinigten Gewinn je Aktie in 75 Prozent der Fälle übertroffen. Der Fünfjahresdurchschnitt liegt lediglich bei 72 Prozent. Allerdings lagen die Gewinne im Schnitt nur um 3,8 Prozent über den Konsensschätzungen. Im Fünfjahresdurchschnitt werden die Markterwartungen auf der Gewinnseite laut FactSet um 4,9 Prozent übertroffen. Dies bedeutet, dass insgesamt mehr Unternehmen die Erwartungen geschlagen haben, jedoch im Schnitt mit einem geringeren Abstand als in den vergangenen Jahren.

Auf der Umsatzseite wurden in 60 Prozent der Fälle positive Überraschungen registriert. Die Umsätze lagen durchschnittlich um 0,9 Prozent über den Analystenschätzungen. Im Schnitt wurde im S&P 500 im dritten Quartal ein Umsatzwachstum im Vorjahresvergleich um 3,2 Prozent verbucht. In diesem Fall lagen laut FactSet jedoch sowohl die Zahl der positiven Überraschungen als auch der Abstand zu den Konsensschätzungen über dem Fünfjahresdurchschnitt.

Die US-Unternehmen mussten zuletzt im Schnitt mit einem Gewinnrückgang um 2,4 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum leben. Es wäre das dritte Quartal mit einem Gewinnrückgang in Serie. Laut FactSet geschah dies letztmals zwischen dem vierten Quartal 2015 und dem zweiten Quartal 2016. Sollte es am Ende, wenn sämtliche Unternehmen aus dem S&P 500 ihre Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsquartal vorgelegt haben sollten, beim Gewinnrückgang um 2,4 Prozent bleiben, wäre dies der höchste Rückgang seit dem zweiten Quartal 2016 (3,2 Prozent).

Fünf von elf Sektoren konnten mit steigenden Gewinnen aufwarten. Laut FactSet schnitten die Versorger und der Gesundheitssektor am besten ab. Von den sechs Sektoren, die fallende Gewinne zu verzeichnen hatten, erwischte es die Bereiche Energie, Grundstoffe und Informationstechnologie am schlimmsten. Für das laufende vierte Quartal 2019 rechnen Analysten laut FactSet mit einem weiteren Gewinnrückgang. Das erste Quartal 2020 soll die Wende bringen und den US-Konzernen wieder steigende Gewinne bescheren.

Auch auf dieser Seite des Atlantiks konnten viele Unternehmen mit ihren jüngsten Zahlenbekanntgaben überzeugen, obwohl sich teilweise noch deutlicher als in den USA die Auswirkungen des schwierigen Marktumfelds zeigten. Zuletzt hatte es insbesondere die Automobilindustrie schwer getroffen. Allerdings zeigten insbesondere Daimler, BMW und Volkswagen, dass sie derzeit mit den schwierigen Marktbedingungen leben und gleichzeitig hohe Summen für Investitionen in Zukunftstechnologien wie die Elektromobilität aufbringen können.

Trotz vieler Herausforderungen profitierten die großen deutschen Autobauer von guten Absätzen. So kehrte Daimler im dritten Quartal in die Gewinnzone zurück. BMW hat im dritten Quartal wiederum Absatz, Umsatz und das Ergebnis dank der gegen den Branchentrend gesteigerten Absätze gegenüber dem Vorjahr verbessert. Volkswagen profitierte von einer höheren Nachfrage in Westeuropa sowie Südamerika und verbuchte dadurch zwischen Juli und September deutliche Umsatz- und Ergebnissteigerungen.

Andere Unternehmen wie BASF wurden deutlich härter von der Konjunkturabkühlung und dem Handelsstreit zwischen den USA und China getroffen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) schrumpfte beim Chemiekonzern aus Ludwigshafen im dritten Quartal um 24 Prozent auf 1,12 Mrd. Euro. Allerdings konnte das Unternehmen Anlegern in einigen Bereichen Hoffnung auf eine Erholung machen. Bayer zeigte sich nicht nur von der Konjunkturabkühlung, sondern auch von der Vielzahl an Glyphosat-Prozessen in den USA relativ unbeeindruckt. Insgesamt dürften Anleger hoffen, dass das Schlimmste nun überstanden ist und sich die Konjunktur nicht weiter verschlechtert. Abwegig ist dies nicht. Schließlich scheint sich derzeit eine Entspannung im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit anzubahnen, während ein No-Deal-Brexit verhindert werden und die EZB auch unter Christine Lagarde ihre lockere Geldpolitik fortsetzen könnte.

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