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Autozulieferer: Mit neuen Strategien aus dem Tunnel

Rückläufige Automobilmärkte sowie der technologische Wandel haben den Zulieferern zugesetzt. Der Sektor gehört auf Jahressicht zu den größten Verlierern an der Börse. Die Unternehmen denken über neue Geschäftsmodelle und Produktentwicklungen nach. Ein Blick auf die europäischen Marktführer Continental, Schaeffler & Co..

Das Marktumfeld stellt für die Autozulieferer seit geraumer Zeit eine enorme Herausforderung dar.. Auf der einen Seite kämpft der Sektor mit stagnierenden oder rückläufigen Umsätzen. Verantwortlich dafür ist unter anderem der schwächelnde globale Automobilmarkt. So sanken in Europa und den USA in den ersten fünf Monaten (Januar bis Mai 2019) die Neuzulassungen jeweils um rund zwei Prozent. Deutlicher fällt der Rückgang in China aus. Dort gingen die Verkäufe im gleichen Zeitraum um mehr als 15 Prozent zurück.

IT-Konzerne drängen in den Markt

Auf der anderen Seite durchläuft die Branche gerade einen der größten Wandel seit der Erfindung des Automobils vor mehr als 130 Jahren. Alternative Antriebe, Autonomes Fahren, Vernetzung und Cloud – all das sind Entwicklungen, die nicht nur die Hersteller, sondern auch die Zulieferer unter Handlungsdruck bringen. Der Wert eines Autos besteht in Zukunft zu einem immer höheren Anteil aus Software. Bereits heute ist dieser Markt – etwa für Sensorik oder Assistenzsysteme – rund 280 Milliarden US-Dollar schwer. Bis 2030 könnte er laut einer Studie der Beratungsgesellschaft McKinsey auf über eine Billionen US-Dollar anwachsen. Dieses Potenzial haben IT- und Internet-Unternehmen längst entdeckt. Sie drängen in den Markt und werden immer mehr zur Konkurrenz für die etablierten Anbieter.

Von schweren Kursverlusten gezeichnet

All das sind Gründe, warum die Aktien der Autozulieferer in den vergangenen zwölf Monaten zu den größten Verlierern an der Börse gehören. Im Schnitt hat der europäische Sektor rund 50 Prozent an Wert verloren. Ob der Boden angesichts der sich abschwächenden Konjunkturdynamik sowie des latent schwelenden Handelskonflikts zwischen den USA und China beziehungsweise Europa schon gefunden ist, ist schwierig zu beurteilen. Fest steht, dass der Start in das laufende Jahr durchwachsen verlief. Hoffnung macht indes, dass sich die meisten der großen börsennotierten Zulieferer die Zeichen der Zeit erkannt zu haben scheinen und ihre Geschäftsmodelle auf das „Auto der Zukunft“ umgestalten.

Continental hat wichtige Weichen gestellt


Continental gehört mit einem Umsatz von 44 Milliarden Euro zu den fünf größten Autozulieferern der Welt. Für den Wandel in der Autobranche sieht sich der DAX®-Konzern gut gerüstet. „Wir sind dabei!“, versicherte Vorstandschef Elmar Degenhart den Aktionären diesbezüglich auf der Hauptversammlung. Er verwies darauf, dass das Unternehmen bereits heute mehr als 60 Prozent des Umsatzes in den Bereichen Automotive mit Elektronik, Software und Sensorik erzielt. Von den 49.000 Ingenieuren des Konzerns, so Degenhart, würde „mehr als ein Drittel aus der Welt der Computer und ihrer Programme“ stammen. Bis Ende 2022 soll dieser Anteil „um weitere 6.000 Köpfe“ erhöht werden. Die Zahlen können NICHT stimmen

Ziel der Hannoveraner ist es, in den kommenden Jahren nicht mehr nur allein mit der Zahl an produzierten Fahrzeugen zu wachsen, sondern verstärkt mit dem Wert ihrer Ausstattung. Um das zu erreichen, hat Continental im vergangenen Jahr eine strategische Neuaufstellung beschlossen. Sie sieht vor, dass der Konzern ab 2020 auf drei Säulen steht: Rubber Technologies – hier wird das Reifengeschäft gebündelt. Automotive Technologies – darunter fallen die Aktivitäten rund ums autonome und vernetzte Fahren. Und Powertrain Technologies – in diesem Bereich ist das Geschäft mit alternativen Antrieben angesiedelt. Wichtige Weichen wurden im Rahmen der Neuausrichtung bereits gestellt. So firmiert das Geschäft mit E-Antrieben, Hybrid-Antrieben sowie Antrieben mit Brennstoffzellen seit Anfang 2019 in einer rechtlich selbstständigen Gesellschaft mit dem Namen Vitesco Technologies. Ein Teilbörsengang der Sparte ist geplant und könnte noch im zweiten Halbjahr 2019 erfolgen.


Quelle: Reuters, Kurs in EUR

Schaeffler erwartet schwieriges zweites Halbjahr

Die Schaeffler AG mit Sitz in Herzogenaurach hat sich bereits im Jahr 2016 strategisch neu positioniert. Unter dem Slogan „Mobilität für morgen“ will sich der Hersteller von Präzisionskomponenten und Systemen in Motor, Getriebe und Fahrwerk für den Wandel im Autosektor wappnen. In den Geschäftszahlen hat sich das bisher noch nicht niedergeschlagen. Im vergangenen Jahr ging der operative Gewinn (EBIT) um knapp 13 Prozent zurück. Im ersten Quartal kam es für den SDAX®-Konzern mit einem EBIT-Minus von 40 Prozent noch schlimmer. Eine Entspannung ist noch nicht in Sicht: "Das zweite Halbjahr wird voraussichtlich schwächer als bislang erwartet. Darauf müssen wir uns pro-aktiv einstellen", sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld der Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Wie viele andere Unternehmen der Branche, steckt Schaeffler in einer Zwickmühle aus hohen Investitionsanforderungen auf der einen Seite und der schwachen Autokonjunktur auf der anderen. Ein anderes Manko: Das Unternehmen ist laut Aussage von Autozulieferchef Matthias Zink noch sehr stark vom Verbrennungsmotor abhängig. Deshalb schauen sich die Herzogenauracher bei Elektroantriebstechnik weiterhin nach Zukäufen um. Um die Software- und Elektronik-Kompetenz auszubauen wurde Anfang Mai die Firma XTRONIC mit Sitz in Böblingen erworben. Außerdem sind weitreichende Sparmaßnahmen vorgesehen, die unter anderem den Abbau von 900 Stellen in den europäischen Werken vorsehen.


Quelle: Reuters, Kurs in EUR

Faurecia sieht sich auf Kurs

In schwierigem Fahrwasser bewegt sich auch der französische Autozulieferer Faurecia. Das in Nanterre bei Paris ansässige Unternehmen verfügt über vier Geschäftsbereiche, wobei die Sparten „Autositze“ und „Innenraumausstattung“ fast 80 Prozent zum Konzernumsatz beitragen. Im ersten Quartal legten die Erlöse lediglich um 0,2 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro zu. CEO Patrick Koller ist dennoch zufrieden: „In einem Umfeld, das für die erste Jahreshälfte als schwierig eingeschätzt wurde, war unser Quartalsumsatz robust.“ Faurecia ist einer der wenigen europäischen Autozulieferer, der in diesem Jahr bislang noch keine Gewinnwarnung ausgesprochen hat (Stand: 4. Juli 2019). Erst Ende Mai hat Finanzvorstand Michel Favre die Jahresprognose noch einmal bestätigt. Demnach will das Unternehmen beim Umsatz in diesem Jahr zwischen 150 und 350 Basispunkte stärker wachsen als die weltweite Automobilproduktion. Außerdem wird eine operative Marke von mindestens sieben Prozent angestrebt. Ob die Ziele tatsächlich Bestand haben, wird sich am 23. Juli 2019 zeigen. Dann veröffentlicht Faurecia seine Halbjahreszahlen.


Quelle: Reuters, Kurs in EUR

Leoni hofft auf Ende der Talsohle

Mit Kursverlusten von fast 70 Prozent kam die Aktie von Leoni in den zurückliegenden zwölf Monaten besonders stark unter die Räder. Mittlerweile rangiert das Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 442 Millionen Euro nur noch in der Schlussgruppe des SDAX®. Ob der Boden damit gefunden ist, wagt derzeit kaum jemand mit Sicherheit zu sagen. Leoni kämpfe nicht nur mit dem schwachen Automobilmarkt, sondern auch mit hausgemachten Problemen, heißt es von Analystenseite. So liefere die Bordnetzsparte, einer der Hoffnungsträger des Konzerns, nur unzureichende Ergebnisse ab. Die Folge: Im ersten Quartal verzeichnete der Konzern einen Nettoverlust von 132 Millionen Euro. Gleichzeitig reduzierte sich die Eigenkapitalquote von 32, 8 auf 25,2 Prozent.

Wie beinahe alle Autozulieferer vollzieht auch Leoni derzeit eine strategische Neuausrichtung. So will der seit September 2018 amtierende Vorstandschef Aldo Kampfer über ein Performanceprogramm die Kostenbasis nachhaltig um 500 Millionen Euro senken. Das Programm sei voll im Zeitplan, bestätigte Kamper am 14. Mai 2019 anlässlich der Veröffentlichung der Quartalszahlen. Für die Zukunft ist der Niederländer zuversichtlich: „Wir haben die Talsohle erreicht und werden uns im Vergleich zum ersten Quartal im weiteren Jahresverlauf bei Ergebnis und insbesondere Cash-Verbrauch spürbar verbessern.“


Quelle: Reuters, Kurs in EUR

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