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Ausblick: Deutsche Wirtschaft muss kleinere Brötchen backen

Sind die guten Jahre vorbei? Diese Frage bewegt derzeit zahlreiche Ökonomen. Die meisten von ihnen haben ihre Prognose für das kommende Jahr schon nach unten korrigiert. Die gute Nachricht ist: Von einer Rezession bleibt Deutschland wohl verschont. Die schlechte lautet: Es dürfte in Zukunft immer schwieriger werden, an die früheren Erfolge anzuknüpfen.

Quizfrage: Wann durchlief Deutschland die letzte Rezession? Um die Frage zu beantworten, muss man in der Zeit ziemlich weit zurückgehen. Bis 2009 um genau zu sein, also fast zehn Jahre. Damals brach das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) infolge der Finanzmarktkrise um 5,5 Prozent ein. Seither stand vor der Veränderungsrate des Bruttoinlandsprodukts immer ein Pluszeichen. Und meistens sogar ein deutlich dickeres als bei unseren europäischen Nachbarn. Oder anders ausgedrückt: Die deutsche Konjunktur befindet sich in einer der längsten Wachstumsphasen der Nachkriegszeit. Doch bekanntlich endet auch der schönste Aufschwung einmal. Die spannende Frage lautet: Wann? Steht unsere Wirtschaft, wie Skeptiker glauben, am Rande einer Rezession? Oder liegen die Schwarzseher falsch und der Boom geht nach einer kurzen Verschnaufpause in die Verlängerung?


Dunkle Wolken sind aufgezogen

Fakt ist, dass sich das globale Konjunkturumfeld seit Jahresmitte eingetrübt hat. Zahlreiche Stimmungs- und Frühindikatoren sind seither zurückgegangen. So auch das vom Münchener ifo Institut berechnet Weltwirtschaftsklima. Wie die jüngste Befragung unter 1.200 Experten aus 120 Ländern ergab, sind die Erwartungen an die zukünftige Konjunkturentwicklung auf den niedrigsten Wert seit Ende 2011 gefallen. Für ifo-Chef Clemens Fuest ist das kein gutes Zeichen: „Die Weltkonjunktur fährt nur noch mit angezogener Handbremse“, zeigt sich der Ökonom besorgt. Parallel dazu sind die politischen Risiken für die Weltwirtschaft gestiegen. Der Global Economic Policy Uncertainty Index, der diese Gefahr misst, stieg jüngst auf ein Niveau, wie es selbst nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, dem Beginn des zweiten Golfkriegs im Frühjahr 2003 oder dem Ausbruch der Finanzmarktkrise im Herbst 2008 nicht erreicht wurde.


Einige Fragenzeichen

All das gibt Anlass zur Sorge. Gewachsen ist die Zahl der Fragezeichen: Eskaliert der Handelskonflikt zwischen USA und China zu einem globalen Handelskrieg? Stürzt die Eurozone aufgrund des Schuldenstreits mit Italien erneut in eine Schulden- und Währungskrise? Löst ein harter Brexit ein Beben an den internationalen Finanzmärkten aus? Führen steigende US-Zinsen zu einer Kapitalflucht aus den Wachstums- und Schwellenmärkten? Droht in China die Schuldenblase des privaten Sektors zu platzen? 


Wirtschaftsweisen senken Prognose

 „Die Risiken sind hoch“, schreibt der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, auch als die „fünf Wirtschaftsweisen“ bezeichnet, in seinem jetzt vorgelegten Jahresgutachten. Ungünstigere außenwirtschaftliche Rahmenbedingungen, temporäre produktionsseitige Probleme sowie Kapazitätsengpässe würden das Expansionstempo bremsen. Folglich haben die Experten die Prognose für das Wirtschaftswachstum kräftig nach unten korrigiert, von 2,3 auf 1,6 Prozent. Und wie geht es im  neuen Jahren weiter? Die gute Nachricht ist: In eine Rezession wird Deutschland nach Ansicht des Sachverständigenrates wohl nicht schlittern. Allerdings gehen die Ökonomen von einer weiteren Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik aus. „Die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) dürfte allmählich in Richtung des Potenzialwachstums sinken“, heißt es im Jahresgutachten.


Quelle: Reuters


Potenzialwachstum nimmt ab

Gleichwohl ist seit geraumer Zeit der Trend zu beobachten, dass die Dynamik des Potenzialwachstums in Deutschland – wie auch in anderen Industrieländern – aufgrund der demografischen Entwicklung sowie einer schwächeren Investitionstätigkeit abgenommen hat. Darunter versteht man jenes Wachstum, dass in einer Volkswirtschaft bei Vollauslastung aller Produktionsfaktoren maximal und dauerhaft erreichbar wäre. Es bestimmt sich aus den Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital sowie der Totalen Faktorproduktivität (TFP). Die TFP ist ein Maß für die Effizienz einer Volkwirtschaft, die sich zum Beispiel aus dem technologischen Fortschritt ergibt. In der Eurozone liegt das Potenzialwachstum laut einer Studie der Commerzbank nur noch bei etwa einem Prozent, in den USA bei rund 1,5 Prozent. Oder anders ausgedrückt: Sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks müssen in Zukunft wohl kleinere Brötchen gebacken werden. Und das hat unmittelbare Folgen für die Geld- und Fiskalpolitik. Zum einen impliziert ein geringeres Potenzialwachstum, dass in der Wirtschaft bereits bei deutlich niedrigeren Wachstumsraten als in Vergangenheit eine Ressourcenknappheit auftritt und die Zentralbanken die Zinsen schon bei niedrigeren Wachstumsraten anheben. Aus staatlicher Sicht wären insbesondere die  Steuereinnahmen negativ betroffen, was wiederum eine Konsolidierung der Staatsfinanzen schwieriger macht.


Erfahren Sie im zweiten Teil des Ausblicks, was von den Finanzmärkten im kommenden Jahr zu erwarten ist und auf welche Aktien Anleger achten sollten.

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