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Ausblick 2016 – Europas Wirtschaft expandiert weiter

Die Wirtschaft wächst, die Inflation bleibt hinter den Zielvorgaben zurück. Das könnte die EZB zu weiterem Handeln veranlassen.

Für das Jahr 2016 erwarten wir für die Eurozone ein geringfügig höheres Wirtschaftswachstum als im Vorjahr. Insbesondere der niedrige Ölpreis, höhere Staatsausgaben und weitere geldpolitische Lockerungen der EZB werden die Hauptfaktoren für diese Entwicklung sein.


Quelle: Reuters, Kurs in USD


Das vergangene Jahr wird vermutlich als das erste Jahr nach der Finanzkrise in die Geschichte eingehen, in dem wieder alle Staaten der Eurozone eine steigende Wirtschaftsleistung aufweisen. Selbst Italien und Griechenland dürften sich wieder auf einem Wachstumspfad befinden. Am Ende wird die Eurozone wohl um 1,5 Prozent gewachsen sein, was knapp über den 1,3 Prozent liegt, die wir Anfang des letzten Jahres für 2015 erwartet hatten. Das lag vor allem an den südlichen Peripheriestaaten. Besonders erwähnenswert ist hier Spanien, was erstmals seit 2007 wieder über 3 Prozent Wirtschaftswachstum vorweisen kann und damit im Spitzenfeld liegt. Aber auch der Export hat dank der kräftigen Abwertung der Gemeinschaftswährung stärker zugelegt, als wir vor einem Jahr angenommen hatten.


Quelle: Reuters

Für 2016 erwarten wir nun ein weiterhin solides Wachstum und schätzen, dass die Eurozone am Ende um 1,7 Prozent zulegen wird. Gleiches gilt übrigens für 2017. Vor allem die Inlandsnachfrage wird dank höherer Staatsausgaben und steigenden Löhnen in vielen Ländern weiter zulegen. Aufgrund des niedrigen Zinsumfelds dürfte die Sparrate ebenfalls noch etwas nachgeben und den Konsum unterstützen.



Politische Risiken


2015 war ein Jahr vielschichtiger Ereignisse auf der politischen Ebene: eine weitere Runde der Griechenlandkrise, das Erstarken  rechtspopulistischer Bewegungen in einigen Kernländern, insbesondere in Frankreich, ‚ergebnislose‘ Wahlen und politische Fragmentierung (Spanien und Portugal), die Flüchtlingskrise und die Terroranschläge in Paris. Es ist nicht davon auszugehen, dass all dies mit dem Jahreswechsel aus der Welt ist, weshalb die politische Lage auch in 2016 einen wichtigen Einfluss ausüben wird.



Was macht die EZB?


Die nächsten Schritte der EZB werden sehr stark von der weiteren wirtschaftlichen Erholung der Eurozone abhängen. Aus unserer Sicht wird diese Erholung aber hinter den Möglichkeiten zurückbleiben, die durch den niedrigen Ölpreis, den schwachen Euro, höheren Staatsausgaben, einer fallenden Arbeitslosigkeit und niedrigen Zinsen (um nur einige Faktoren zu nennen) zu erwarten wären. Auch der fehlende Wille zu umfangreichen Reformen in vielen Ländern wirkt alles andere als unterstützend. Unserer Ansicht nach wird die Inflation zwar bis zum Jahr 2020 ansteigen und durchschnittlich im Bereich von 1,7 Prozent liegen. Doch damit erreicht sie nicht das von der EZB vorgegebene Ziel von 2 Prozent.

Um ihre Glaubwürdigkeit zu wahren, wird die EZB wohl bereits in der ersten Jahreshälfte weitere geldpolitische Maßnahmen ergreifen. Diese könnten unter anderem aus diesen Mitteln bestehen:

  • Weitere Senkung des Einlagenzinses: Wir erwarten zwei weitere Reduzierungen im Laufe des Jahres um jeweils 0,10 Prozentpunkte auf dann -0,50 Prozent.
  • Erhöhung der monatlichen Anleihekäufe: Für das Erreichen der Inflationsziele könnte das Anleihekaufprogramm um weitere 15 Mrd Euro pro Monat aufgestockt werden, was aus unserer Sicht effektiver ist als eine weitere zeitliche Ausdehnung. 
  • Zeitliche Verlängerung des Anleihekaufprogramms: Aktuell erwarten wir für Juni 2016 eine Ankündigung, dass die Anleihekäufe um weitere 6 Monate verlängert werden und dann bis September 2017 andauern werden. Auch dann wird es wahrscheinlich nicht zu einem abrupten Ende der Käufe kommen. Vielmehr könnten diese in einem 6-monatigen ‘Tapering‘ langsam zurückgefahren werden, wie es die Fed vorgemacht hat, und damit schlussendlich bis März 2018 laufen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass vor allem der schwache Ölpreis und die Binnenkonjunktur die weitere wirtschaftliche Erholung der Eurozone vorantreiben sollten. Politische Risiken in Europa und die Wachstumsschwäche in den Schwellenländern könnten allerdings als Störfeuer wirken. Da die Inflationsziele der EZB voraussichtlich nicht erreicht werden, wird die Zentralbank wohl weitere geldpolitische Maßnahmen beschließen.

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